Seit COVID-19: Höchstarbeitszeit 15 Stunden/Tag und 105 Stunden/Woche für Pflegekräfte möglich

Bei den Corona-Maßnahmen fand die "COVID-19-Arbeitszeitverordnung" der Bundesregierung kaum Beachtung. Dabei hat sie es in sich: Die gesetzliche Höchstarbeitszeit für alle "systemrelevanten" Berufe (einschließlich der Pflegekräfte) kann jederzeit bei Pandemiefällen auf bis zu 15 Stunden pro Tag und 105 Stunden pro Woche ausgedehnt werden. Die Süddeutsche Zeitung zitiert unter "60-Stunden-Woche : Mehr geht nicht. Das verkraftet keiner" das Bundesarbeitsministerium mit der Aussage, "die Pandemie verlange besondere Anstrengungen von Arbeitgebern sowie von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern". Hätte die Süddeutsche Zeitung den Gesetzestext genau gelesen, hätte sie festgestellt, dass sogar 105-Stunden-Wochen möglich sind, und zwar 3 Wochen hintereinander, mit jeweils 15 Stunden Arbeitszeit [...]

Immunitätsausweis: Berufsverbot für ungeimpfte Pflegekräfte?

Die Bundesregierung will u.a. ein Berufsverbot für ungeimpfte Arbeitnehmer ermöglichen. Das betrifft vor allem medizinische Berufe. Wer nicht nachweisen kann, gegen eine Krankheit immun oder geimpft zu sein, dem kann die Bundesregierung die Berufausübung und die Bewegungsfreiheit einschränken. Update: Nach einem erheblichen Shitstorm zog Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den nachfolgenden Gesetzentwurf "vorerst" (!) zurück, Siehe https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kampf-gegen-corona-spahn-stoppt-plaene-fuer-immunitaetsausweis-nach-protesten/25801000.html?ticket=ST-2870021-xQHXfJlQARoUgoVTfFNl-ap4. Am 29.04.20 beschloss die Bundesregierung, dass das Infektionsschutzgesetz und das Medizinproduktegesetz erneut geändert werden sollen. Bis zum 15.05. soll der Bundesrat zustimmen, was wie üblich eine reine Formsache sein dürfte. Dies ist der aktuelle Entwurf für den neuen § 22 Absatz (5) Infektionsschutzgesetz: "Bei der [...]

Coronavirus: Pflegekräftemangel und Triage

Frankreich hilft im Elsass Patienten über 75 nur noch beim Sterben, weil es zu wenig Intensivbetten und Beatmungsgeräte gibt. Der größte Engpass der Intensivpflege in deutschen Krankenhäusern ist mit den bisherigen Mitteln nicht auflösbar: Pflegekräfte. Intensivpflegedienste sorgen sich in der Corona-Krise wie fast niemand sonst. Mit der Betreuung von Beatmungspatienten tragen sie die Verantwortung für die gefährdetste Risikogruppe. Die Sorgen gelten neben den Patienten auch den Pflegekräften: Wie sollen Ansteckungen vermieden werden, sobald die Vorräte bei Atemschutzmasken, Desinfektionsmaterial, Handschuhen, Schutzbrillen etc. aufgebraucht sind? Wovon sollen Pflegedienste und Krankenhäuser solch unverzichtbares Material kaufen, wenn die Preise insbesondere bei FFP-Atemschutzmasken nur noch [...]

Kreuzfahrtschiff statt Altenheim?

Lee Wachtstetter (92) lebt seit 2006 ununterbrochen auf dem Kreuzfahrtschiff "Crystal Serenity".  Wäre solch ein Leben für alle Rentner machbar? Lebensabend komplett auf Kreuzfahrt Die "Crystal Serenity" ist eines der teuersten Kreuzfahrtschiffe. 14.600 € zahlt Lee Wachtstetter pro Monat: https://www.youtube.com/watch?v=-dWFKp-bJtk Das geht auch günstiger: Auf der "AIDAprima" kosten Außenkabinen 430 € pro Woche bzw. 1.863 € monatlich. Beim Stöbern in meiner Witzesammlung fiel mir wieder der Text "Kreuzfahrtschiff statt Altenheim" in die Hände. Den Text eines unbekannten Verfassers erhielt ich 1998, und ich habe ihn einmal aktualisiert. Ok, die Umweltbilanz von Kreuzfahrten ist grauenhaft. Aber rechnen wir mal durch: 649 [...]

Organspende: Bundestag entscheidet vorbei am „Problem Krankenhaus“

Jährlich sterben in Deutschland rund 900 Patienten auf Organspende-Wartelisten. Der Bundestag lehnte nun die "doppelte Widerspruchslösung" zur Organspende ab. Dabei liegt das Problem weniger in der Spendebereitschaft, sondern vor allem in den Abläufen der Krankenhäuser. Nur 3 % der möglichen Organspender werden tatsächlich zu Spendern Derzeit stehen in Deutschland rd. 9.500 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Gleichzeitig gab es zum Beispiel 2015 (aktuellste verfügbare Zahlen) über 27.000 mögliche Organspender. Das sollte doch reichen, oder? Weit gefehlt! Die Anzahl der tatsächlichen Organspender in Deutschland sank von 2010 bis 2017 (aktuellste Zahlen) um mehr als ein Drittel von 1.296 auf [...]

Von |2020-05-04T10:51:08+02:0027. 01. 2020|Gesundheitspolitik|0 Kommentare

Krankenkassen wollen teuerstes Medikament der Welt nicht bezahlen

2 Millionen Euro pro Patient kostet das Medikament "Zolgensma" zur Behandlung spinaler Muskelatrophie. Krankenkassen wollen das nicht zahlen. Patienten sind verzweifelt. Wer an spinaler Muskelatrophie (SMA) leidet, hat im genetischen Gesundheitslotto Pech gehabt. Nur jeder zehntausendste Mensch erkrankt daran. Für die Betroffenen heißt das: Degenerierung von Nervenzellen, Muskelschwund, Wirbelsäulen- und Brustkorbdeformation und (bei Typ 1) ein furchtbarer Tod. Viele Kinder sterben in den ersten 3 Lebensjahren durch Atemversagen. Zwei Drittel der Kinder sterben vor dem 10. Lebensjahr. Eine schreckliche Krankheit, bei der niemand die Frage stellen sollte, ob man die schnellstmöglichen Behandlungen aus finanziellen Gründen verweigern darf. Seltene und "verwaiste" [...]

Von |2020-05-04T10:51:51+02:0030. 12. 2019|Gesundheitspolitik|0 Kommentare

Lieferengpass: Diese 529 Medikamente sind betroffen (Liste)

Von Ibuprofen bis zu Insulin, Herz- und Krebsmedikamenten: Die Liste nicht kurzfristig lieferbarer Medikamente ist laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf 527 angewachsen. "Nicht kurzfistig lieferbar" bedeutet eine Lieferzeit von mindestens zwei Wochen. Teilweise müssen Patienten auch monatelang, und in einigen Fällen bis zu 2 Jahre (zum Beispiel das Antibiotikum Nifurantin: Oktober 2021) darauf warten. 2019 musste in Deutschland bei 9,3 Millionen Rezepten auf ein anderes Medikament ausgewichen werden, sofern überhaupt eines als Ersatz tauglich war. Krankenhäuser müssen oft rationieren oder versuchen, in Apotheken Restbestände aufzutreiben. Therapien können teilweise erst später beginnen oder müssen unterbrochen werden. Besonders gefährlich [...]

Von |2020-05-04T10:53:29+02:0029. 09. 2019|Gesundheitspolitik|0 Kommentare

Soll eine Pflegekraft Medikamente selbst verordnen dürfen?

Wer kennt das nicht: Die Medikamente von Patienten sind nahezu aufgebraucht. Angehörige müssen bei Ärzten Rezepte ausstellen lassen. Soll eine Plegekraft in solchen Fällen Medikamente verordnen dürfen? Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtete, forderte Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates, eine neue Verteilung der Aufgaben im Gesundheitswesen: „Wir möch­ten, dass eine Pflegekraft nicht nur deshalb einen Arzt hinzuziehen muss, weil dessen Unterschrift für die Abrechnung der Leistung mit der Krankenkasse gebraucht wird – obwohl der Arzt den Patienten möglicherweise gar nicht gesehen hat.“ Pro und contra Dafür spricht, dass solche zeitraubenden bürokratischen Routinen überflüssig würden. Pflegekräfte und auch Angehörige würden Zeit [...]

12 wichtigste Impfungen für Pflegekräfte

Impfzwang oder nicht? Darf eine Pflegekraft ohne ausreichende Impfungen versetzt oder gar entlassen werden? Die Verunsicherung der bei Arbeitgebern und Pflegekräften nimmt zu, seit die Bundesregierung das Infektionsschutzgesetz (IfSG) mit § 23a ergänzte. Paragraf 23a IfSG besagt: "Soweit es zur Erfüllung von Verpflichtungen aus § 23 Absatz 3 in Bezug auf Krankheiten, die durch Schutzimpfung verhütet werden können, erforderlich ist, darf der Arbeitgeber personenbezogene Daten eines Beschäftigten über dessen Impf- und Serostatus erheben, verarbeiten oder nutzen, um über die Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses oder über die Art und Weise einer Beschäftigung zu entscheiden. Im Übrigen gelten die Bestimmungen des allgemeinen Datenschutzrechts." [...]

Rückkehr ausgestiegener Pflegekräfte? Darum ist die Pflege Comeback Studie unrealistisch

Laut #PflegeComebackStudie sind 120.000 – 200.000 Aussteiger aus dem Pflegeberuf zu einer Rückkehr bereit. Warum das unrealistisch ist, zeigt ein genauerer Blick auf die Details. Auf ihrer PflegeComeback-Webseite stellt die Paul Hartmann AG eine Zusammenfassung sowie eine Pressemitteilung zu der von ihr in Auftrag gegebenen „Studie“ bereit. Dabei geht es um 3 Hauptfragen: Würden ehemalige Pflegekräfte in den Beruf zurückkehren? Welche Anreize braucht es, um sie zu diesem Schritt zu bewegen? Kurzum: Wie realistisch ist ein #PflegeComeBack? „Jede zweite ausgestiegene Pflegekraft bereit zur Rückkehr“, titelte die Ärztezeitung – und liegt damit leider daneben. Daten quälen, bis sie gestehen Als erster [...]

Von |2020-06-08T18:12:11+02:0023. 12. 2018|Gesundheitspolitik, Pflegeberuf|0 Kommentare
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