Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) bewertet Pflegeheime. Klingt hilfreich, ist aber eine Farce, die Angehörige von Patienten in die Irre führt.

Die Tageszeitung „Die Welt“ veröffentlichte unter „Die erschreckende Wahrheit über unsere Pflegeheime“ die Ergebnisse der Recherchen von Correctiv.org. Dies stellte unter „Schlechte Heime für teures Geld“ fest:

  • 60% aller Pflegeheime haben Mängel, viele davon sind so schwer, dass sie mit 5-6 (Schulnoten-Skala) bewertet werden müssten.
  • Mehr als 50 Prozent der Heime versorgen die Alten und Kranken nicht korrekt mit Medikamenten.
  • Mehr als 30 Prozent der Heime versorgen die Bewohner nicht vorschriftsmäßig mit Nahrung und Flüssigkeit.
  • Die Durchschnittsbewertung durch den MDK liegt bei 1,2.
  • Laut pflegemarkt.com erhielten 95% aller Heime eine Note zwischen 1,0 und 1,9. Über ein Drittel der Pflegeheime erhielten die Bestnote 1,0. Schlechtere Noten als 3 gab es kein einziges Mal.
  • Der Anteil an Mehrbettzimmern ist hoch, obwohl die Bewohner fast ausschließlich Einzelzimmer wünschen.
  • Die Kapazitäten sind bis zu 99% ausgelastet. Vor allem in ländlichen Regionen sind die Wartezeiten lang.
  • Bundesweit arbeiten 60% aller Pflegekräfte in Teilzeit. Das ist vor allem von den Heimbetreibern gewünscht, damit sie mehr Kapazitäten für Überstunden abrufen können. Für Bewohner bedeutet das: Zu viele Bezugspersonen.
  • Die Zahl der Auszubildenden ist zu niedrig. Unglaublich: Es gibt immer noch Bundesländer, in denen die händeringend gesuchten Pflegekräfte ihre Ausbildung selbst bezahlen müssen.

Horror-Heim: MDK Note „gut“

Das Magazin „Stern“ berichtet unter „Wie kann ein mieses Pflegeheim super Noten bekommen?“ über ein Heim („Haus der Heimat“ in Hedemünden bei Göttingen) mit „menschenunwürdigen Zuständen“:

  • Bewohner, die im eigenen Kot liegen und seit Wochen nicht geduscht wurden,
  • nicht existente Wechselwäsche,
  • verdreckte Betten,
  • körperliche Misshandlungen,
  • Abrechnungsbetrug,
  • Unterschlagung des Taschengelds

MDK-Note für das Horror-Heim: „Gut“.

Diskussionswürdige Kriterien des MDK

Die Kriterien des MDK sind gelinde gesagt „diskussionswürdig“. Werden Patienten mangelhaft mit Medikamenten versorgt, kann das Heim den gravierenden Mangel ausgleichen – durch einen gut lesbarer Speiseplan. Erhalten die Patienten zu wenig Flüssigkeit – was absolut lebensbedrohlich ist – kann dies durch eine umfangreiche Dokumentation ausgeglichen werden. Wobei die Dokumentation oft frei erfunden wird, weil niemand freiwillig seine Fehler dokumentiert.

Angekündigte Kontrollen statt Kritik

Nun könnte man natürlich prüfen, ob die Angaben in der Dokumentation überhaupt stimmen. Das tut der MDK auch. Allerdings nicht wirklich kritisch und mit dem Fehler, die Kontrollbesuche vorher anzukündigen. Folge: Bei Kontrollterminen wird den MDK – Prüfern eine einwandfreie Pflege vorgegaukelt.

An den Kontrollterminen herrscht Urlaubssperre. Das Personal ist nur an diesen Tagen vollständig auf den Stationen und wäscht die Bewohner. Die Küche serviert an diesen Tagen das beliebteste Essen. In den Tagen vor den Kontrollen wird alles gereinigt und aufgeräumt, usw.

Warum machen Politik, MDK und Krankenkassen dieses Spiel mit? Weil sonst die gravierenden Mängel der Heime offenbar würden, und mehr Geld ins System fließen müsste.

Die ZDF-Sendung „Die Anstalt“ thematisierte den systembedingten Pflegenotstand und die Unterfinanzierung der Heimpflege in ihrer Sendung vom 05.12.1017:

„Come in and burn out“:

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird sich daran messen lassen müssen, ob er diese Probleme lösen kann.